Kapitel IX

Sterben während man lebt

Jeder muss eines Tages sterben. Ob Mensch oder Tier, reich oder arm, gesund oder krank, niemand entkommt dem Tod. Alle müssen sein Tor passieren. Jene Seele, welche die physische Form angenommen hat, muss sie verlassen. Jeder weiß, dass er diese Welt eines Tages verlassen muss, aber er weiß nicht, wann. Der Tod ist wirklich, aber das Leben – in dieser Welt – ist unwirklich.

Die Bibel sagt:

Staub bist du, und zu Staub wirst Du werden.

Wir haben uns nie darum gekümmert daran zu denken, welche Art von einer Reise hinter den Toren des Todes liegt. Wir beklagen den Tod der anderen. Aber eigentlich sollten wir mit unserem eigenen Ende befasst sein und sollten uns auf unser eigenes Ende vorbereiten und sollten uns auf unser eigenes Leben jenseits des Todes vorbereiten.

Was ist der Tod? Fühlen wir irgendwelche Schmerzen zum Zeitpunkt des Todes? In der Bhagavad Gita gibt es eine Erklärung, die besagt, dass der Schmerz des Todes so stechend ist, dass er dem gleichkommt, wie von hunderttausend Skorpionen gleichzeitig gestochen zu werden – der Stich von einem Skorpion ist außerordentlich schmerzhaft.

Und der Koran sagt:

Der Schmerz des Todes kann mit einem dornigen Strauch verglichen werden, der durch den Körper hindurch gezogen wird.

In den Sikh-Schriften gibt es auch Verweise auf den Schmerz des Todes.

Welche Art von Land müssen wir nach dem Tod passieren? Mit wem haben wir es zu tun? Wir müssen über diese Fragen nachdenken. Die Schriften erwähnen dieses Thema gelegentlich, aber wir schenken ihnen wenig Beachtung, denn wir glauben immer, dass sie entweder Phantasien oder Märchen sind, oder Bemühungen, die Menschen von der Sünde zu entwöhnen, oder sie dazu zu veranlassen, gute Taten zu vollbringen. Wir müssen die Tore des Todes überqueren. Niemand kann diesbezüglich eine Ausnahme sein.

Der Heilige Paulus sagt:

Der Tod ist der letzte Feind, der zu besiegen ist.

Wir sollten nicht unsere Augen vor diesem Thema schließen. Es ist unsere gewöhnliche Erfahrung, dass, wann immer wir in ein anderes Land gehen müssen, wir dafür Vorbereitungen treffen und die notwendigen Mittel mit uns tragen. Wir treffen Vorkehrungen für die Transportmittel, sei es ein Automobil, eine Pferdekutsche oder ein Eisenbahnzug. Wir schreiben einen Brief an einen Freund in diesem Land, und entscheiden auch darüber, wo wir wohnen.

Wir sind so vorsichtig in diesen weltlichen Angelegenheiten, dass wir nie eine Reise unternehmen, ohne angemessene Vorkehrungen zu treffen. Wenn wir in ein neues Land gehen müssen, besorgen wir uns sogar einen Führer, um uns zu begleiten. Doch für die Reise nach dem Tod, die über unseren Köpfen wie ein Damoklesschwert hängt, und welche wir alle zu gegebener Zeit unternehmen müssen, kümmern wir uns sehr wenig. Haben wir Vorkehrungen für Lebensmittel, welche Naam oder Shabd sind, für diese Reise getroffen? Haben wir uns für einen Führer entschieden, oder einen Meister – Guru –, Welcher persönliches Wissen und Erfahrungen hat, um uns zu begleiten.

Haben wir je an den Ort gedacht, wo wir angehalten sind zu bleiben? Abgesehen von diesen Dingen sind wir auch völlig unwissend über unser Ziel und den Menschen, Welcher uns helfen kann, dorthin zu gelangen. Nein, wir haben sogar den Tod vergessen.

Wir sind sehr klug in unseren weltlichen Angelegenheiten und treffen immer geeignete Vorkehrungen für ihre erfolgreiche Betreibung. Aber was den Tod betrifft, welcher keine Zeit für sich festgelegt hat und jederzeit kommen kann – in der Kindheit, in der Jugend oder im Alter – haben wir uns noch nie für einen Moment Gedanken gemacht.

Ein Meister allein weiß alles über den Tod. Zum Zeitpunkt des Todes, wenn Familie und Kinder, unser Reichtum, Besitz und Körper, alle uns verlassen, ist es der Vollkommene Meister allein, Welcher den Schüler begleitet. Aus diesem Grund ist Er unser einziger wahrer und echter Freund.

Der Vollkommene Meister ist ein Wahrer Führer in den astralen, kausalen und den höheren rein Spirituellen Regionen. Deshalb haben die Schriften stark die Notwendigkeit für uns betont, solche Meister zu treffen und ständig in unserem Geist bei Ihnen zu verweilen. Auf diese Weise allein können wir an der Wurzel der Seelenwanderung ansetzen und Immerwährende Glückseligkeit erlangen.

Die Sants haben das Mysterium des Todes gelöst. Sie verlassen den menschlichen Körper jeden Tag und reisen in die astralen und kausalen Regionen. In Ihrer Gemeinschaft erlernen wir die Mittel, durch welche auch wir über den Tod triumphieren können.

Der Tod ist nicht zu befürchten. Es ist nur die Bezeichnung, die dem Phänomen gegeben wurde, wenn die Seele den Körper verlässt. Nachdem sie den physischen Körper abgelegt hat, steigt die Seele in die astralen, kausalen und höheren Regionen auf. Im Persischen wird dieses Phänomen Intakal genannt, was bedeutet, einen Wandel zu erleben. Es ist lediglich die Zurückziehung der Seele von den groben Sinnen, und ihr Eintritt in feinere Regionen.

Es ist lediglich das Ablegen des gegenwärtigen Gewands, nämlich des Körpers. Es bedeutet nicht Vernichtung. Es gibt ein Leben nach dem Tod, obwohl wir vielleicht nicht in der Lage sind, es zu sehen. Alle Sants erkennen diesen Grundsatz an.

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Fußnote: