Kapitel XII

Bireh – Starke Sehnsucht

Bireh hat verschiedene Stufen. Die erste ist die Rückbesinnung auf seinen Geliebten, begleitet von Sehnsucht und Einkehr. Diese Verfassung der Rückbesinnung und Einkehr wird so stark, dass die Aufmerksamkeit eines Ergebenen vollständig auf die Form seines Geliebten, welche immer fest im Auge seines Gemüts bleibt, verlagert wird. Der Geliebte wird zum Erhalter seines Lebens, und er wird Ihn nicht verlassen.

Die beiden werden zu einem verschmolzen, und ein Zustand vollständiger Ruhe und Stille wird erreicht. In diesem Zustand verliert der Ergebene sein eigenes Selbst und sieht seinen Geliebten überall. Ein Herz, das Wahre Liebe für den Geliebten hat, ist naturgemäß glücklich und fühlt einen Strom von Verzückung, wenn er Ihn sieht oder trifft.

Bireh ist die Bezeichnung des aktiven Zustandes der Liebe. Ein Liebhaber, der Bireh besitzt, wünscht, den Geliebten nicht auch nur für einen Moment aus den Augen zu verlieren. Wann immer er nicht in der Lage ist, Ihn zu sehen oder es ihm geschieht, dass er von Ihm getrennt ist, sticht ein Gefühl von Schmerz in sein Herz, und er fühlt eine innere Pein. Aber der Geschmack dieses Schmerzes der Trennung ist keineswegs weniger süß als der mit dem Geliebten zu sein. Dies wird Bireh genannt.

Warum wird starke Sehnsucht geschaffen? Einfach, weil unsere Seele nicht in der Lage war, erfolgreich das zu erhalten, nach was sie sich eigentlich sehnt. So wie der Chatrak – Regenvogel – ruhelos wird, wenn er nicht die Nektar-gleichen Regentropfen erhält; so wie der Chakor – Mond-Vogel – enttäuscht ist, wenn er nicht in der Lage ist, den Vollmond zu sehen; genauso wie eine Mutter ruhelos wird in der Zeit der Trennung von ihrem Sohn, oder eine Frau von ihrem Mann; so wie ein Fisch in Qualen ist ohne Wasser – in ähnlicher Weise ist unsere Seele äußerst ruhelos aufgrund ihrer Trennung vom Herrn.

Diese starke Sehnsucht wallt immer wie eine Welle oder ein Strom im Herzen auf und erfrischt das Gemüt mit Erinnerung an Ihn. Als Resultat wird die Agonie des Herzens durch kontinuierliche Erinnerung und Kontemplation über den Herrn gelindert. Dies schafft ein Gefühl von Glückseligkeit. Es ist ein Sprungbrett, welches ein Sucher zu betreten hat, um Gemeinschaft mit dem Herrn zu erlangen.

Um den Geliebten zu treffen, kommt zuerst starke Sehnsucht, in der gleichen Weise wie Blüten auf einem Obstbaum knospen und blühen, bevor er Früchte tragen kann. Wo es keine Blüten gibt, kann es keine Frucht geben. Ebenso kann es dort, wo es keine Bireh – starke Sehnsucht – gibt, kein Treffen mit dem Geliebten geben. In anderen Worten, diese Sehnsucht ist eine Voraussetzung für die Begegnung mit dem Herrn.

Im Zustand der starken Sehnsucht wird jede Zelle des Körpers ruhelos in der Erinnerung an den Geliebten, und ohne Ihn zu treffen oder Ihn zu sehen, ist das Herz nicht beruhigt. Wir suchen Jene auf, Welche wir Sants und Sadhus nennen, weil Sie die Gemeinschaft mit dem Herrn erreicht haben, und wir flehen Sie an, uns in der Begegnung mit dem Herrn zu helfen. In uns gibt es ein Verlangen, Ihm zu begegnen, und wir können nicht ohne Ihn leben.

O mein Meister, hilf mir, meinem Hari (Gott) zu treffen. Mein Gemüt und Körper sind hungrig danach, Ihm zu begegnen. Ich kann nicht leben, ohne meinen Herrn zu lieben, und da ist eine starke und ruhelose Sehnsucht in mir.

Adi Granth

Die Geschichte der Leben von allen Heiligen zeigt die Stärke Ihres Begehrens und Ihrer Sehnsucht nach dem Herrn. Die Menschen der Welt essen, trinken und sind glücklich mit den weltlichen Freuden und schlafen fest in der Nacht. Aber ein Liebender weint und seufzt und ist hellwach die ganze Nacht in seiner Sehnsucht, den Geliebten zu treffen. 

Solch eine Seele sehnt sich danach, dem Herrn zu begegnen und ruft aus:

O, wird es diesen Augen jemals möglich sein, Ihn zu sehen!

Wenn man von Ihm getrennt ist, haben Ornamente für den Körper, geschmackvolles Essen oder schöne Kleider keine Anziehungskraft.

Guru Nanak zeichnet sehr schön das Bild der Seele in solch einem Zustand:

Eine Frau, von ihrem Herrn getrennt, kann nachts nicht schlafen. Sie wird schwach, während sie nach ihrem Geliebten schmachtet, und sie weint in Sehnsucht nach ihm. Verzierungen für ihren Körper, süße und wohlschmeckende Speisen und andere Freuden interessieren sie nicht.

Adi Granth

Der Herr ist nicht mit mir und es ist eine dunkle Nacht mit Blitzen, die Angst in mein Gemüt bringen. Mein Bett ist einsam. Ich bin ohne meinen Herrn. Der Schmerz ist so stark, dass der Tod ihm vorzuziehen ist.

Adi Granth

Eine Frau kann nicht leben ohne ihren Gemahl. Die Nacht scheint wie Gift zu sein, der Schlaf beruhigt sie nicht und sie ruft aus: O mein Geliebter, erhöre meine Gebete und komm zu mir!

Adi Granth

Ohne meinen Geliebten habe ich keinen Trost, und ich bin weinend ganz allein. O Nanak, eine Frau, die ihren Gemahl nicht trifft, ist elendig.

Adi Granth

Wiederum sagt Guru Nanak:

Beim Anblick meines Zustandes wurde ein Arzt gerufen. Er fühlte meinen Puls und fand nichts. Und wie konnte er etwas finden, denn mein Herz litt am großen Schmerz der Trennung!

Adi Granth

Guru Nanak schreibt weiter:

O Gott, mich weinen hörend hat die ganze Welt begonnen, Tränen zu vergießen. Die Bäume und die Vögel weinen, aber der Sinn für das Getrenntsein in mir, wegen dem ich von Dir getrennt wurde, hat keine Tränen vergossen.

Adi Granth

Guru Amar Das beschrieb auch den Zustand der Seele eines Ergebenen im Adi Granth:

Wie kann ich leben ohne meinen Geliebten, und was ist mein Leben wert ohne Ihn? Ich kann nicht schlafen ohne Ihn und ich finde nichts Anziehendes sogar beim Anlegen schöner Kleider an meinen Körper.

O mein Herr, komm und begegne mir! Ohne Dich bin ich hilflos. Schlaf wird nicht zu meinen Augen kommen, noch kann ich mich für Essen oder Trinken interessieren. Wie kann ich irgendein Glück finden ohne meinen Herrn, und wie kann Essen und Trinken mir irgendeinen Trost geben! Ich flehe meinen Meister daher an, in aller Bescheidenheit, dass, wenn es Ihm gefällt, Er mir erlauben soll, meinen Herrn zu treffen.

Guru Ram Das sagt:

Ich kann nicht leben ohne meinen Geliebten, nicht einmal für einen Moment. So wie ein Mensch, der von Drogen und Rauschmitteln abhängig ist, stirbt, wenn sie zurückgehalten werden, ähnlich sterbe ich ohne Dich. O mein Herr, jene, welche durstig sind nach Deinem Darshan (Dich zu sehen), wollen nichts anderes.

Adi Granth

Guru Ram Das sagt weiter:

Ohne den Herrn ist jede Zelle meines Geistes und Körpers in einem Zustand der Qual, und es ist kein Schlaf in meinen Augen. Ich leide im Geiste und im Körper an dem Schmerz der Trennung. Die armen Ärzte können meine Krankheit nicht diagnostizieren. Wie einer, der von Rauschmitteln und Drogen abhängig ist, kann ich nicht ohne meinen Geliebte leben, nicht einmal für einen einzigen Augenblick. Diejenigen, welche ein starkes Verlangen haben, Dich zu treffen, sind an nichts anderem interessiert.

Adi Granth

Auch der zehnte Sikh-Guru beschrieb den Zustand der starken Sehnsucht auf sehr schöne Weise.

Er sagt:

Bitte übermittle die Gefühle aller Schüler an unseren lieben Meister, und sage, dass ohne Ihn selbst ein Leben in Behaglichkeit wie ein Leben mit den Schlangen ist. Dass wir Schmerz und Qual aus mit Dornen bedeckten Tassen trinken, und Schläge erleiden wie die von eines Schlachters Axt. O, unser Geliebter, es ist besser für uns, auf unseren Totenbetten in Bireh (starke Sehnsucht) zu liegen, als in weltlicher Behaglichkeit zu leben, die (ohne Dich) so schmerzhaft ist wie ein brennender Ofen.

Auch Kabir Sahib beschrieb diesen Zustand in der gleichen Art.

Er sagt:

Niemand wurde mit seinem Geliebten durch Fröhlichkeit vereint. Wer auch immer die Gemeinschaft mit Ihm erreicht hat, tat dies, nachdem er viele Tränen vergossen hat. Wenn es möglich wäre, den Geliebten zu treffen, während man lacht und sich in einem Zustand der Behaglichkeit befindet, warum sollte man die Qual der Trennung erleiden? Die Menschen der Welt sind glücklich. Sie essen und schlafen. Kabir allein ist unglücklich. Er ist wach und weint.

O Kabir, bleibe fern vom Leben der Freude und binde dich ans Weinen, denn ohne es, wie kannst du deinen Geliebten finden!

Kabir Sahib beschreibt weiter, wie folgt, die Gefühle von Schmerz, Qual und Ruhelosigkeit, die von einem Ergebenen erlitten werden, der vom Herrn getrennt ist:

O mein Geliebter, bitte höre meiner Botschaft zu. Wie kann ein Fisch ohne Wasser leben, denn sein ganzes Leben hängt von Wasser ab! Das Feuer der Trennung verbrennt meinen Körper und mein ganzes Wesen ist ruhelos. Die Seele hat den Körper verlassen und ist vollständig mit dem Herrn verschmolzen. Der Engel des Todes kommt, aber findet die Seele nicht und geht weg. O Kabir, ruft der Liebende aus:

Ach, mein Herr, höre meiner Botschaft zu. Komm sofort und begegne mir, sonst werde ich mein Leben aufgeben! Bringe entweder meinem Körper den Tod, wenn er von Dir getrennt sein soll, oder gebe mir Deinen Darshan (zeige Dich mir). Ich bin nicht in der Lage, diesen Schmerz der Trennung länger zu ertragen. Meine beiden Augen sind zu Bechern geworden, die auf das Elixier Deines Darshans (einen Anblick von Dir) warten.

Deine Ergebenen, die sich nach Dir sehnen, sind losgelöst von dieser Welt, und die Hoffnung, Dich zu treffen, ist der Unterhalt ihres Lebens. Diese Augen weinen vor Leid ohne Unterlass in Erinnerung an Dich. Durch dieses Weinen gibt es einen kleinen Trost, aber diese Augen sehnen sich nach der Süße Deines Darshans. Wir haben eine Lampe aus diesem Körper gemacht und einen Docht aus diesem Leben, in dem Blut verbrannt wird, anstelle von Öl. O mein Herr, wird es jemals möglich sein, Dich zu sehen!

Kabir fährt fort:

Meine Augen, wie die eines Verrückten, suchen nach Dir jede Minute. Du triffst mich nicht. Ich bin nicht glücklich, und befinde mich immer in einem Zustand des Schmerzes und der Anspannung. Mein Körper ist abgemagert. Nun bin ich nur noch ein Skelett von Knochen. Es ist mein Unglück, dass selbst jetzt mein Herr nicht zu mir gekommen ist. Diese Trennung hat alle meine Knochen und meinen Körper verzehrt, und hat mich tot gemacht, während ich noch lebe. Wie eine machtvolle Armee, hat diese Trennung mich umzingelt. Sie erlaubt mir weder zu sterben noch erlaubt sie mir zu leben, und mein Leben verebbt langsam in Qual. Ich erleide Bireh (starke Sehnsucht) in der Abwesenheit meines Herrn, und die Trennung plagt mich jede Minute. Tag und Nacht habe ich keine Ruhe und mein Atem wird allmählich weniger und weniger.

Sheikh Farid stellte einer Nachtigall eine Frage:

O Nachtigall, warum bist du schwarz?

Dann antwortete Er selbst:

Ich weiß warum. Du hast dich selbst verbrannt im Verlangen nach dem Herrn. Das ist, warum du so schwarz bist.

Die Quelle des folgenden Zitates ist nicht genannt:

Dieses Schmücken des Körpers und diese schönen Kleider sind nutzlos, solange wir unseren Herrn nicht treffen. Wenn mein Herr mich in diesen schönen Kleidern sehen würde, wären sie es wert, getragen zu werden. Ansonsten sollte ich sie beseitigen und verbrennen. Ich werde meine Armreifen wegwerfen, das Zeichen meiner Einheit, und werden sie in Stücke zerschlagen, indem ich sie an mein Bett schlage, wenn es nicht mein Schicksal ist, meinen Geliebten zu treffen, denn ohne dies, sind sie nutzlos für mich.

In dieser Intensität der Liebe vergisst die Seele die ganze Welt. Sie kann nicht lernen, das Denken an den Herrn auch nur für eine einzige Sekunde zu stoppen.

Der zehnte Guru sagt:

Die strohgedeckte Hütte des Herrn meines Herzens ist wie der Himmel für mich, aber ohne Ihn ist selbst ein Palast wie ein brennender Ofen.

Eine Seele, die mit Liebe für den Herrn gefüllt ist, kümmert sich ohne Ihn nicht um die feinste Seide oder den feinsten Satin, aber wenn sie in Gemeinschaft mit Ihm ist, ist sie bereit, selbst im Staub zu schlafen. In den Sikh-Schriften – dem Adi Granth – gibt es eine ähnliche Beschreibung, die besagt, dass, wenn eine Ehefrau von ihrem Mann getrennt wird, sie ihre Arme brechen sowie die Armreifen, die sie schmücken, brechen würde. Alle diese Verzierungen sind bedeutungslos ohne den Geliebten.

Ein Liebender wünscht immer an den Ort seines Geliebten zu gehen.

Kabir sagt:

Mein Gemüt wird kraftvoll von der Heimat meines Geliebten angezogen. Diese Welt hat keinen Reiz für mich. Ich möchte von hier wegfliegen und in das Land meines Herrn gehen, welches so schön ist. Dort kommt und geht niemand (es gibt weder Geburt noch Tod), und dorthin können selbst die Sonne und der Mond, Wasser und die Luft niemals gelangen. O, gibt es jemanden, der dies, meine Botschaft der Sehnsucht, zu meinem Geliebten tragen würde!

Kabir sagt auch:

Das Leiden von Bireh (Gefühl der Trennung) ist langwierig und ist nun tief in meine Knochen gedrungen. Es ist nicht möglich, es loszuwerden. Es ist ein Schmerz der Liebe, welcher sogar mein Herz erdrückt. Das Gefühl der Sehnsucht, verursacht durch die Trennung, beunruhigt mich zu allen Zeiten, und als Ergebnis brennt mein ganzer Körper. Nur derjenige, der diese Schmerzen verursacht hat oder sie erfährt, kann dies verstehen.

Diese Sehnsucht und ihre begleitenden Schmerzen haben mich wie eine Schlange überwältigt und haben über meinem Herzen ein Geschwür gebildet, aber ich versuche nicht, mich selbst zu retten. Ich sage der Schlange der Sehnsucht, dass sie mich verschlingen soll in irgendeiner Art und Weise, die ihr gefällt.

Der ganze Tag wird damit verbracht, auf den Pfad zu schauen, von welchem mein Geliebter kommen wird, und die Nacht wird in derselben Art und Weise verbracht. Unfähig, den Geliebten zu treffen, bin ich ruhelos und mein Herz ist beunruhigt. Der Tag wird ein verheißungsvoller sein, an dem mein Meister mich am Arm nehmen und mich zu Seinem eigen machen wird. Und ich werde im Schatten Seiner Lotusfüße sitzen.

Auch Farid beschreibt den Schmerz der Trennung von dem Herrn in seiner eigenen ergreifenden Sprache:

O Farid, aufgrund des Feuers der Trennung vom Herrn, ist mein Körper zu bloßen Knochen geschwunden, dass sogar Krähen kommen und nach mir picken, und ich sage ihnen, ‚O Krähen, ihr mögt meinen Körper fressen, doch nicht meine Augen, welche sich immer noch hoffnungsvoll danach sehnen, meinen Geliebten zu erblicken.‘ Am Tag meiner Geburt, als meine Nabelschnur von der Hebamme zerschnitten wurde, wäre es besser gewesen, wenn sie mir auch die Kehle durchgeschnitten hätte, denn dann wäre ich vor dem Schmerz dieser Trennung bewahrt worden.

Ein anderer Heiliger, Charan Das, sagt:

Meine Stimme ist in meinem Hals erstickt, die Tränen fließen aus meinen Augen, und ich bin ruhelos in der starken Sehnsucht nach meinem Geliebten, Tag und Nacht. Ich weine:

Wann werde ich meinem Herrn begegnen? Meine Brust ist zerissen. Wann wird der Tag kommen, an dem ich die Gelegenheit habe, Ihn zu treffen?

Mira Bai beschreibt diesen Zustand mit den folgenden Worten:

Ich bin blass geworden wie ein Betel-Blatt. Die Leute denken, dass ich leide. Ich fastete sogar heimlich in dieser Trennung von Dir. Mein Vater rief einen Arzt, welcher meinen Puls fühlte. Aber der arme Arzt kann meine Krankheit nicht diagnostizieren. Mein Leiden ist in meinem Herzen. O Arzt, gehe zurück in dein Haus und rede nicht über mich. Ich brenne wegen der Trennung. Welche Medizin kannst du mir geben? Mein Körper ist nur noch zu Knochen geworden und meine Kehle ist von Seufzern erstickt. Der Ring an meinem Finger kann nun über mein Handgelenk passen, ich bin so abgemagert geworden.

O Papiha (Regenvogel), bitte schweig. Spreche nicht von Piv (dem Geliebten), denn wenn irgendein Ergebener, der an Bireh (der starken Sehnsucht der Trennung) für den Geliebten leidet, den Namen von Piv hört, würde er sofort seinem Leben entsagen.

Ich bin jetzt an einem Ort, und in der nächsten Minute an einem anderen. Ich habe keine Ruhe. Ich bin wie eine Person, die erstochen wurde, und niemand kann meinen Zustand der Ruhelosigkeit verstehen. O Krähe, ich bin bereit, mein Herz herauszunehmen und es vor dich zu legen. Bitte bringe es zu dem Ort, an dem mein Geliebter weilt und friss es in Seiner Gegenwart und vor Seinen Augen. Meine einzige Bindung ist Naam. Ich habe keine anderen Verbindungen. O Mira, ich bin ruhelos in der Trennung von meinem Geliebten. O Gott, gib mir Deinen Darshan. Mein Herz ist voll von dem lieblichen Bild meines Herrn, und es hat sich in es verwoben. Auf dem Dach meines Hauses stehend schaue ich auf den Pfad, auf dem Du kommen wirst. Wie kann ich am Leben bleiben ohne meinen Geliebten, denn Er ist das heilende Kraut, das mein Leben retten kann. Mira hat sich an ihren Herrn verkauft und die Menschen nennen sie verrückt.

Ein Mensch, der unter der Trennung leidet, sitzt in einem Palast und ist glücklich, wenn er Girlanden aus Perlen herstellt. Aber es gibt einen anderen, einen Brihan (der an der Trennung leidet), welcher Girlanden aus seinen Tränen herstellt.

Ich habe die Sterne gezählt und die ganze Nacht im Wachzustand verbracht. Wann wird die Zeit der Glückseligkeit kommen, o Gott! Mein Herr, begegne mir und sei nie wieder von mir getrennt. O Herr, seit Du von mir getrennt bist, war ich ruhelos. Wenn ich Hymnen zu Deinem Lob höre, wird mein Gemüt ruhelos, denn ich finde nur Trost in Liedern über die starke Sehnsucht nach Dir. Mit meinen weit geöffneten Augen schaue ich auf den Pfad (woher Du kommen wirst), und die Nacht wurde so lang wie ein halbes Jahr. Wem soll ich meine Geschichte der Trennung erzählen? O mein Freund, wem soll ich die Geschichte meiner Trennung und starken Sehnsucht berichten? Sie schneidet durch mein Herz wie eine Säge. Wann wird Miras Herr sie treffen und ihr Freude geben, indem Er ihre Qual beseitigt.

Shah Hussein beschreibt den Zustand eines Menschen, der an den Qualen der Trennung leidet, in den folgenden Worten:

Ohne meinen Geliebten sind die Nächte sehr lang, das Fleisch an meinem Körper lässt nach und all meine Knochen werden freigelegt. Diese Liebe kann nicht verborgen gehalten werden, auch wenn ich wünschte, es zu tun, denn die starke Sehnsucht aufgrund der Trennung ist fest in mir begründet. Mein Geliebter ist in dem Gewand eines Bettlers verborgen, und ich bin auch ein Bettler geworden. Die Welt nennt mich verrückt. Hussein, der Schüler des Herrn, sagt:

Ich bin zu Deinen Füßen gebunden.

Bulleh Shah verbrachte viele Jahre Seines Lebens in der Trennung von Seinem Meister und in starker Sehnsucht nach Ihm. Er beschreibt Seinen Zustand in folgender Weise:

Nun fühle ich mich ruhelos aufgrund der Sehnsucht nach meinem Herrn. Was soll ich tun? Ich kann nicht leben – ich sterbe nicht. Bitte höre meinen Seufzern zu. Es gibt keine Ruhe für mich, weder Tag noch Nacht. Ohne meinen Geliebten schließen sich meine Augen nicht einmal für eine einzige Sekunde. Ich bin in einem solchen Zustand der starken Sehnsucht. Was sollte ich tun? Gibt es jemanden, der diesen Zustand der Sehnsucht verbrennen kann und meinen Schmerz entfernen kann? Wie kann ich den Ozean des Lebens überqueren, ohne Seinen Darshan (Ihn betrachtend), denn ich habe diese Sehnsucht und weiß nicht, was zu tun ist. O Bulleh, ich bin in großer Not. Komm und hilf mir. Wie soll ich diesen Schmerz entfernen? Ich bin in einem Zustand starker Sehnsucht. Was sollte ich tun?

Auch Hafiz beschreibt diesen Zustand. Er sagt:

O meine Freunde, ich wünsche, dass niemand ein Opfer von solch einem Zustand der Qual sein sollte, wie meiner aufgrund der starken Sehnsucht bedingt durch Trennung ist. Wenn es möglich wäre, dieses Gefühl der Sehnsucht zu fassen, hätte ich meinen Herrn damit bedeckt, so dass auch Er wissen sollte, was starke Sehnsucht ist, und seine Augen würden auch Tränen von Blut und Feuer in den Qualen der Trennung vergießen. Aber ach! Dies ist nicht möglich. Ich bin voller Schmerz und das Gefühl der starken Sehnsucht ist zu viel für mich. Vielleicht gebar mich meine Mutter, damit ich diese starke Sehnsucht erleiden sollte. O mein Gott, in meiner Liebe zu Dir, bin ich wie eine Nachtigall, die Klagelieder singt, welche blutige Tränen in meine Augen bringen.

Meine Feder hat nicht die Fähigkeit, meinen Zustand der starken Sehnsucht, der durch Trennung bedingt ist, zu beschreiben. Die Wellen, welche aus dem unermesslichen Ozean der starken Sehnsucht steigen, sind über die Köpfe der Menschen geschwappt, welche darauf bedacht waren, dem Herrn zu begegnen, aber die Reise ihres Bootes des Lebens wurde auf diese Weise beendet. Als das Schicksal entdeckte, dass mein Gemüt und Herz von der Liebe meines Herrn ergriffen waren, band es das Seil der Qual der starken Sehnsucht um meinen Hals, mit welchem es weder möglich ist zu leben noch zu sterben. O Gott, von wem wurden Trennung und starke Sehnsucht in die Welt gebracht? Das Gesicht dieser Trennung sollte geschwärzt werden, und die starke Sehnsucht sollte gebrochen werden.

Aufgrund der Sehnsucht in Trennung sterben Schlaf, Ruhe und Leidenschaften alle aus.

In meinem Gemüt ist der Schmerz der Trennung so stark, dass meine Zunge verbrannt werden würde, wenn ich darüber reden wollte. Und wenn ich still bleibe, fürchte ich, dass meine Knochen von diesem Feuer verzehrt werden.

Buddha suchte Zuflucht im Dschungel auf der Suche nach der Wahrheit, und Sein Körper wurde äußerst abgemagert. Ebenso mögen wir das Leben irgendeines anderen Heiligen studieren, und wir werden denselben Bericht über die starke Sehnsucht aufgrund der Trennung finden. Wer auch immer den Pfad der Gottverwirklichung gereist ist, musste den Fluss der Seufzer überqueren, bevor er Ihn treffen konnte. Es ist in der Tat richtig, dass man diesen Pfad durch Tränen beschreiten muss.

Maulana Rumi sagt:

O Mensch, wenn du wünschst, die Heimat Gottes zu erreichen, solltest du über den Ozean der Tränen gehen, denn nur auf diese Weise wirst du in der Lage sein, Ihn zu erreichen. Trockene Gebete, trockenes Zählen von Perlen, trockenes Lesen von Schriften, und trockene Augen sowie trockene Herzen – all diese sind wie entlang eines unfruchtbaren Pfades zu Gott zu gehen. Aber wenn du durch Wasser (Tränen) gegangen wärest, hättest du Ihn ohne jede Schwierigkeit erreicht. Was sagt die Rabab (eine Art Violine)? Sie erzählt von dem Brennen des Herzens und den Tränen der Augen.

Shamas-i-Tabrez sagt:

Jene Augen, welche nach dem Darshan (Anblick) des Geliebten Tränen vergießen, werden Ihn eines Tages sicherlich schauen. In der Liebe, wirkt das Weinen wie eine Leiter. Wenn du eine Leiter aus deinen Augen machst, dann wirst du automatisch gen Himmel eilen. Der Ozean der Gnade des Geliebten reicht von einem Ende zum anderen, und kein Ort ist ohne sie. Aber dieses Feuer der starken Sehnsucht aufgrund der Trennung gibt es, damit sich das Vertrauen der Anhänger auf diesem Pfad voll entwickeln kann.

Maulana Rumi erwähnt abermals die Notwendigkeit der starken Sehnsucht der Trennung mit den folgenden Worten: 

Schau auf die Ammen, die Kinder mit ihrer Milch ernähren. Sie geben dem Kind kaum Milch, es sei denn, dass es danach schreit, denn die Milch in den Brüsten der Ammen fließt nicht heraus, es sei denn, das Kind zieht sie durch seine Schreie an. Auf die gleiche Weise wallt der Ozean der Gnade des Herrn nicht auf, solange ein Ergebener nicht weint, während er zu Ihm betet.

Maulana Rumi sagt weiter:

Weinen ist wie die Wolken, und die Sehnsucht ist wie die Wärme der Sonne. So wie die Wärme der Sonne die Ursache dafür ist, die Regenfälle aus den Wolken hervorzurufen, durch welche diese Welt bestehen bleibt; ähnlich sind Trennung, Sehnsucht nach Ihm und Ruhelosigkeit wie Feuer, welche die Ströme der Gnade und Barmherzigkeit Gottes herausbrechen lassen, so wie der Regen aus den Wolken herausbricht, und die Herzen der Ergebenen beruhigt. Tränen in den Augen und Schmerz im Herzen sind die beiden Säulen, welche wir passieren, um nach Innen zu gehen.

Über die Trennung Tränen zu vergießen und die Qual des Herzens sind zwei Hinweise auf die Begegnung mit Gott.

Als Rabia Basri gefragt wurde, ob sie ihre Gebete vor oder nach der Begegnung mit Gott sage, antwortete sie:

Gott kommt zuerst, und dann bete ich zu Ihm.

Die Leute fragten dann:

Wie bist du dir bewusst, dass Er kommt?

Ihre Antwort war:

Wenn durch Seine Erinnerung und Anziehung ein Strom von Ruhelosigkeit in mir erweckt wurde, fließen die Tränen aus meinen Augen. Er berührt so meine Seele mit Liebe und zieht mich ständig zu Sich. Dies sind die Hinweise auf Sein Kommen. Dann verneige ich mich im Gebet vor Ihm.

Wahres Gebet ist eines, durch welches ein Gefühl der Verzückung in der Seele geschaffen wird. Ein solches Zählen von nur einer Perle hat den Effekt von tausendfachem Perlenzählen, da der Rosenkranz von der Sehnsucht und der Qual des Geistes gedreht wird. Du brauchst dich Ihm nur einmal zu erinnern, aber es sollte mit so viel echter Liebe sein, dass jede Zelle deines Körpers durch deine Zunge heraus spricht, und dass was auch immer du denkst oder sprichst oder betest aus dem Herzen kommt. Der Körper und das Gemüt sollten taub sein. Wenn diejenigen, die dem Geliebten sehr ergeben sind, sich in Ehrfurcht vor Ihm beugen, ist dies Wahres Gebet. Ein Wahres Herz und ein Strom von starker Qual sind die Wahren Schriften, welche sie täglich studieren. Die Sprache der Liebenden ist völlig anders als die der anderen Menschen. Sie betrachten das Beten als ein Werk von Dieben und üben eine Religion nur als Show und als formale Pflicht aus. Solche Menschen sind weit von Gott entfernt und in körperliche Vergnügen verstrickt.

Die Wahrheit ist:

Ein Prediger ist nur besorgt um sein Gebet, aber der Liebende sehnt sich nach dem Anblick seines Geliebten.

Gott ist in jeder Zelle des Liebenden, und wenn er sein Haupt vor Ihm in diesem Zustand beugt, ist es ihm unmöglich, sein Haupt zu heben, da der Geliebte in jedem Nerv seines Körpers ist.

Diejenigen, welche sich selbst in Ihm verloren haben, sind taub in Gemüt und Körper. Diejenigen, welche ihre Liebe an jemanden gegeben haben, sind mit Sehnsucht in ihrem Gemüt erfüllt.

Durch die Sehnsucht, die durch Trennung verursacht wurde, wäscht ein Ergebener seine schlechten Gedanken mit seinen heißen Tränen weg und die Erinnerung an den Herrn nimmt ihren Platz ein. Aber diese Sehnsucht kann nur durch Wahre Liebe geweckt werden und nicht durch Krokodilstränen.

Solch eine edle und lohnende Sehnsucht ist nur in den Herzen derjenigen erwacht, die eine reine und unverfälschte Liebe für die physische Manifestation Gottes haben – nämlich für den Lebenden Meister. Ein Schüler muss Wahre Spirituelle Liebe für die physische Form seines Meisters haben. Und wenn er die Strahlende Form des Meisters im Innern sieht durch die mit Liebe durchgeführte Spirituelle Praxis, wird er dann auch mit dieser einzigartigen Form verbunden und mit dem Shabd – Tonstrom, dem Wort –, welcher von Ihr ausgeht. Er würde niemals wollen, von dieser getrennt zu werden. Durch die Trennung von der physischen Form des Meisters wird die Sehnsucht erzeugt, Ihn im Innern zu treffen. Und wenn ein Ergebener die Form im Innern nicht sieht, erzeugt das Fernbleiben der Form eine große Ruhelosigkeit und Qual im Gemüt.

Ich habe meine Liebe und Sehnsucht auf die Begegnung mit Hari (Gott) fixiert. Ich werde nur glücklich sein, wenn ich meinen Freund und Herrn Hari treffe.

Adi Granth

Letzte Nacht konnte ich die Nacht hindurch nicht mit meinem Geliebten schlafen (Er ist nicht zu mir gekommen), und jeder Teil meines Körpers schmerzt. Wenn dies mein Zustand ist nach Seiner Abwesenheit für eine Nacht, was ist der Zustand derer, die Ihn nie treffen, und wie kommen sie durch ihre Nächte?

Sheikh Farid, Adi Granth

So wie die Hitze der Sonne bei der Reifung süßer Frucht hilft, und die Hitze des Feuers auf dem Herd es einem ermöglicht, wohlschmeckendes Essen zuzubereiten, spielt die Hitze der Sehnsucht in der gleichen Weise eine wesentliche Rolle dabei, dem Ergebenen auf dem Pfad der Spirituellen Verwirklichung zu helfen. Es ist eigentlich ein Prüfstein oder eine Prüfung der Liebe, und gleichzeitig reinigt es die Liebe und Hingabe des Ergebenen, wie ein Goldschmied ein Stück Gold reinigt, indem er es in das Feuer legt.

Hafiz sagt:

Du solltest Tränen von Perlen aus deinen feuchten Augen vergießen. Vielleicht wird Er, in der Form eines Schwans, von dir gefangen sein, wenn dieser Schwan1 versucht ist, zu dir zu kommen, um diese Perlen zu essen.

Maulana Rumi sagt:

Ich wünsche, dass ich so sehr in meiner Sehnsucht den Herrn zu treffen geweint hätte, dass die Tränen aus meinen Augen zu einem Fluss angeschwollen wären, und dass jede Träne sich in eine Spirituelle Perle gewandelt hätte. Dann hätte ich all diese Perlen vor den Altar meines Geliebten gelegt.

Er sagt auch:

Die Arbeit eines Mannes in dieser Welt ist nichts anderes als vor Sehnsucht aufgrund der Trennung von dem Herrn zu weinen. Schau auf den Säugling. Er schreit, sobald er geboren ist. Er kommt schreiend auf die Welt. Darum solltest du auf die gleiche Weise wie ein Licht, das die Nacht hindurch brennt, Tränen nach Mitternacht in Sehnsucht nach dem Herrn vergießen, und nicht aufhören Tränen zu vergießen und um Sein Licht zu bitten. So wie der Docht einer Lampe getrimmt wird, ähnlich solltest du den Docht deines Hauptes (Ego) trimmen, so dass das Licht in dir mehr wird. Mit anderen Worten, sobald du lernst, zu seufzen, während du weinst, wird im Innern eine Flut von Licht sein. Gott schätzt die Tränen seiner Liebenden, so wie Er das Blut Seiner Märtyrer schätzt.

Trennung ist sehr hilfreich, um das Feuer der Ruhelosigkeit zu entzünden und dabei die Früchte der Spiritualität zu erhalten.

Wenn der Körper wie ein Ofen brennt, die Knochen wie Holz entzündet werden, und die Füße vom Laufen Blasen haben, wird ein Wahrer Ergebener dennoch nicht vom Herrn entfernt bleiben, auch wenn er seine Reise fortsetzen müsste, indem er auf seinem Kopf läuft.

Farid

Ein Liebender des Herrn, welcher von Ihm getrennt ist, fühlt sich nicht irgendeinem oder irgendetwas anderem nahe. Sogar sein Leben scheint eine Last für ihn zu sein und er fühlt sich, als ob er stirbt.

Guru Angad Sahib sagt:

Wenn wir jemanden lieben, sollten wir sterben, bevor er stirbt, denn es ist eine Sünde, nach dem Tod seines Geliebten zu leben.

Als Khwaja Mohammed zum Grab seines Meisters, Hazrat Zarzari Zarbaksh kam, fiel er leblos auf das Grab von Trauer und starker Qual wegen der Trennung von Ihm überwältigt. Aber bevor er starb, rezitierte er die folgende Strophe: 

Es ist besser zu sterben, als ohne seinen Geliebten zu leben. Es ist tausendmal besser, ein Opfer seiner selbst zu machen, wenn man von der Anwesenheit des Geliebten beraubt ist.

Der Schmerz der Trennung ist wie das Gift einer Kobra. Sobald es in irgendjemandes Herz gelangt, ist es nicht möglich, es mit irgendwelchen Mitteln loszuwerden, es sei denn, dass man den Meister trifft. Es gibt keine andere Methode. 

Es ist wahr, dass das Leben unmöglich ist für jemanden, der starke Sehnsucht hat aufgrund der Trennung von Ram (Gott). Wenn er lebt, verschwendet er sein Leben wie ein verrückter Mann in dieser Welt.

Kabir

Wenn der Herr nicht erreicht wird, dann ist alles – Essen, Kleidung und alle anderen Annehmlichkeiten in dieser Welt – nutzlos. Arjan sagt:

Ohne den Herrn ist alles nutzlos, so wie seidene Kleider von einer Braut nach dem Tode ihres Mannes ins Feuer geworfen werden sollten.

Aber wenn einer in Gemeinschaft mit dem Herrn ist, ist er in allen Lagen des Lebens lobenswert; ebenso wie eine Braut glücklich wäre und schön aussehen würde, selbst wenn sie im Staub liegen würde.

Tatsache ist, dass dieser physische Körper, ohne eine starke Sehnsucht nach dem Herrn zu haben, nutzlos ist. Wenn das Ziel unseres Kommens in diese Welt nicht erreicht wird, was ist der Nutzen des Körpers?

Guru Angad Sahib sagt:

Ein Haupt, das sich nicht in Ehrfurcht vor dem Herrn verneigt, sollte in Stücke geschnitten werden. Der Körper, welcher nicht den Wunsch unterhalten hat, dem Herrn zu begegnen, sollte verbrannt werden.

Farid sagt:

Wir alle rufen ‚Bireh, Bireh‘ (starke Sehnsucht aufgrund von Trennung); aber Bireh ist der König aller Gefühle. O Farid, ein Mensch, der ohne starke Sehnsucht ist, ist wie ein Friedhof.

Ein anderer Liebender Gottes sagt:

Das Haupt, welches sich nicht zu den Füßen des Herrn beugt, sollte gebrochen werden (ist nutzlos).

Starke Sehnsucht hat einen sehr starken Einfluss aufgrund ihres kraftvollen Stromes von Energie. Sobald sie sich etabliert hat, können keine anderen Eindrücke in das Gemüt eintreten. Solch ein Ergebener vergisst seinen Körper und seine Kleidung völlig, denn er wird von dem Magneten der Erinnerung an seinen Herrn angezogen, und sein Gemüt ist vollkommen in die Betrachtung des Herrn versunken. Wenn wir zu etwas oder jemandem die ganze Zeit hingezogen werden, werden wir letztendlich in dieser Form aufgehen.

Es gibt unzählige Menschen in der Welt, welche sich nach weltlichen Dingen sehnen, aber in dieser Sehnsucht sind sie nur an materiellen Dingen interessiert. Es ist sehr schwierig für Menschen dieser Art, dem Pfad des Sant Mat zu folgen. Es gibt keine weltliche Methode, mit welcher man Erlösung von dieser Welt findet. Alle Sehnsüchte sind wertlos, mit Ausnahme von einer starken Sehnsucht nach dem Herrn. Alle anderen führen zu Zerstreuung.

Doch die meisten der Menschen in der Welt sind in den Wunsch nach materiellen Gewinnen vertieft. Sie hören Diskursen zu den Themen der Spiritualität und der Begegnung mit dem Herrn nicht zu, noch haben sie irgendein Verlangen danach, Ihm zu begegnen, denn ihre Augen sind verschlossen, und sie können nichts in seiner Wahren Perspektive sehen.

Manu war völlig in die Erinnerung an seine geliebte Laila vertieft. Seine Religion, sein Glaube war nichts als Laila. Er folgte ihr, wohin auch immer sie gegangen war und beugte seinen Kopf über ihre Fußspuren. Jemand sagte einmal zu Manu, dass Gott ihn treffen wolle.

Er antwortete:

Wenn Er mich zu treffen wünscht, dann lass Ihn in Form von Laila kommen.

Guru Ram Das sagt:

Alle Sehnsucht ist nutzlos, so lange die Sehnsucht nach dem Herrn nicht erwacht ist.

Das Gemüt ist so sehr in weltliche Beschäftigungen vertieft, dass es nicht bereit ist, auf etwas anderes zu hören. Die Sehnsucht, von einer physischen Natur, die zwischen Manu und Laila existierte, wandelt sich nur sehr selten in eine Spirituelle Sehnsucht, aber wenn sie sich wandelt, sind die Menschen, denen dies geschieht, in der Tat gesegnet. Eigentlich wird wahre und wirkliche Sehnsucht nur dann begründet, wenn wir Sehnsucht nach dem Herrn oder Seiner Verkörperung, dem Meister, haben. Es ist daher wichtig, dass wir einen Meister finden, Welcher Naam praktiziert und predigt, denn ohne dies ist es unmöglich, das Höchste Ziel der Spiritualität zu erreichen. Wenn wir einen solchen Meister finden, sollten wir alles zu Seinen Füßen opfern.

Sehnsucht schafft nicht unbedingt nur Schmerz und Leid. Es ist eine einzigartige Berauschung des Gemütes, weil man unter keinen Umständen bereit ist, sie zu vertreiben, nicht einmal auf Kosten von unzähligen Härten. Wir entrichten unsere herzlichen Glückwünsche an alle, die in sich das Gefühl der starken Sehnsucht nach dem Herrn etabliert haben, denn ein solcher ist ein Führer der Seelen zum Hofe des Herrn. Was sind die Anzeichen von Bireh – starker Sehnsucht?

Kabir sagt:

Einer, welcher in einem solchen Zustand ist, wird extrem abgemagert, sogar jenseits der Wiedererkennung und er wird täglich blasser, wie das Betel-Blatt.

Charan Das sagt:

Das Gesicht ist blass, der Körper abgemagert, die Augen sind traurig, und der Seufzer, welcher ausgeatmet wird, ist voll von Kummer. Er seufzt tief mit jedem Atemzug.

Maulana Rumi sagt:

Wenn du mich nicht kennst, dann frage die, welche wegen der Trennung weinen. Du solltest mein blasses Gesicht und meine trockenen Lippen fragen, dann würdest du meinen wirklichen Zustand kennen.

Shamas-i-Tabrez sagte Maulana Rumi:

O mein Sohn, es gibt neun Zeichen, welche die Liebenden Gottes unterscheiden:

Sie haben kalte Seufzer. Das Gesicht ist blass.

Der Ergebene wünscht sich, Gemeinschaft mit dem Herrn zu haben, aber es liegt nicht in seiner Macht. Jedes Mal, wenn er an den Herrn denkt, weint er und die Tränen aus seinen Augen sind kaum in der Lage, das brennende Feuer in seinem Herzen zu löschen.

Die Augen sind immer nass. Er isst kaum. Er schläft wenig. Tiefschlaf kommt nicht zu ihm. Er seufzt ständig. Er ist ruhelos (ungeduldig, den Herrn zu schauen). Er stöhnt ständig.

Wenn das Feuer der Trennung im Herzen entzündet wird und der von ihm ausgehende Rauch nicht sichtbar ist, weiß nur derjenige, der es erlebt hat, oder der es angezündet hat, dass es da ist. Nur einer, der verwundet wurde, kennt den Schmerz. Niemand sonst. Dieses Feuer brennt im Innern, nicht im Äußeren, und es produziert Wasser in Form von Tränen, welche das Feuer zu löschen versuchen.

Kabir

Das Heilmittel für einen, welcher in diesem Zustand des Leidens ist, liegt in den Händen des Geliebten. Er allein kann es durch die Gewährung Seines Darshans – durch die Begegnung mit Ihm – beseitigen.

Dadu sagt:

Wem soll ich meinen Schmerz enthüllen und von wem soll ich meine Botschaft senden? Selbst mein Haar hat sich durch die ständige Bewegung meines Kopfes verworren, während ich nach dem Pfad suchte, von dem mein Geliebter kommen möge. Ich kann Ihn nicht treffen, und ich bin nicht glücklich. Wie kann man in einem solchen Zustand leben? Das Heilmittel liegt in Ihm, Der mir diesen Schmerz gegeben hat. Ich bin bereit, die Welt und alles andere zu opfern für eine einzige Sekunde des Anblicks meines Herrn. Ich bin auch bereit, mein Gemüt und meinen Körper in kleine Stücke zu schneiden und würde sowohl Himmel als auch Hölle für Ihn opfern.

Im selben Zusammenhang stellt Khusro fest:

O unwissender Arzt! Bitte verlasse mein Bett, denn es gibt kein Heilmittel für die Trennung außer Seinen Darshan (Ihn zu sehen).

Die Sehnsucht aufgrund der Trennung von dem Herrn hat eine einzigartige Süße. Diejenigen, die blindlings dem Diktat des Gemütes folgen und fest in den weltlichen Luxus von ‚Iss, trink und sei fröhlich‘ verwurzelt sind, können nicht diesen süßen Geschmack erfahren, so wie ein blinder Mensch den Fall der Tränen beim Weinen nicht zu schätzen wissen kann. Starke Sehnsucht und Weinen nach dem Herrn verwandeln sich immer in Glückseligkeit. Diejenigen sind wirklich gesegnet, welche so begünstigt sind, mit diesem Zustand beschenkt zu sein. In den Sikh-Schriften – Adi Granth – finden wir Hinweise auf die verschiedenen Früchte der Sehnsucht aufgrund von Trennung.

Kabir sagt:

In dem Zustand der Sehnsucht und seinem Schmerz erscheinen die Dinge der Welt bitter. Nur der Name des Herrn ist süß.

Wenn diese Sehnsucht in einem Menschen erzeugt wird, wird sie geeignet, um in der Wahrheit aufzugehen.

Sehnsucht erzeugt Liebe und Verehrung für den Geliebten. Gott ist Liebe. Daher kommt der Gläubige im Verhältnis zum Grad seiner Sehnsucht dem Herrn näher. Er erkennt auch in größerem Maße den Wert seines Geliebten, so sehr, dass die reine und edle Form des Geliebten immer in seinem Gemüt fixiert ist.

Sheikh Farid sagt:

O Krähe, friss nicht meinen Körper mit deinem Schnabel. Fliege weg von hier, da in diesem Körper mein geliebter Herr wohnt, und du kein Recht hast, solches Fleisch zu fressen.

Kabir sagt:

In meiner Sehnsucht nach dem Herrn ist das gesamte Fleisch von meinem Körper abgemagert. Aber so lange wie ich an Ihn denke, wird dieser Körper nicht verloren sein.

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Fußnote: 1) Nach der Hindu-Legende mag der Schwan gern Perlen, und zieht es vor, nichts anderes zu essen.