Die Religion der Liebe

Die Religion eines Liebenden ist nichts als Liebe, unter deren Einfluss eine einzigartige Art von Konzentration und ein Gefühl der Einsamkeit in sein Gemüt tritt. Seine Gedanken überschreiten die Grenze von Einheit und Dualität. Selbst wenn man einen kleinen Teil der Liebe aufnimmt, wird man die ganze Welt als nicht mehr als einen Strohhalm erachten. Das Herz von jemandem, der selbst ein paar Tropfen aus dem Becher der Liebe gekostet hat, findet keinen Geschmack an all den weltlichen Freuden. Er wünscht weder Himmel noch Erlösung.

Paltu Sahib sagt:

Sants wollen keine Erlösung. Sie haben keine Sehnsucht nach den vier Schätzen der Welt, weil Sie weder nach den Schätzen der Welt noch nach Erlösung verlangen. Sie verschmähen übernatürliche Kräfte, und Sie laufen weg vom Sitz des Himmels. Sie pilgern nicht; Sie fasten nicht; Sie haben keine Wünsche in Ihrem Gemüt. Selbst gute Handlungen haben keine Anziehungskraft auf Sie. Sie wollen weder den Himmel, noch sind Sie daran interessiert, in diese Welt zu kommen und von Ihr wegzugehen. Sie erachten sogar die sieben Himmel als nicht besser als ein Stück Stroh. Die Ergebenen Gottes haben solch ein Verlangen, O Paltu! dass sie keine Erlösung wollen noch die vier Schätze der Welt begehren.

Gott lebt in Seinem eigenen latenten Zustand der Liebe, und ein Liebender befreit sich von der Bindung des Körpers und des Lebens und wird zu einer Form Gottes. Wenn das Feuer der Liebe in einem Liebenden angezündet wird, zerstört es alles außer den Geliebten.

Die Liebe ist eine so starke Strömung, dass ein Blick auf das Licht des Geliebten den Liebenden anzieht. Wenn sie die tief verwurzelte Glückseligkeit in einen Liebenden pflanzt, werden das Herz und das Leben automatisch für den Geliebten geopfert. Wissen, Intellekt, Ruhm und Schlussfolgern oder Diskussionen werden weggeschwemmt in den schnell fließenden Strömen der Liebe. In der Tat, wenn jemand nur ein paar Tropfen aus dem Kelch der Liebe kostet, verschwinden sein Intellekt und all seine Sorgen.

Ein Liebender opfert alles für seinen Geliebten. Sein Glaube, Religion und Leben werden alle seinem Geliebten gegeben, und er vergisst alles in seiner Liebe. Er schreit und ruft mit großer Freude aus:

Ich bin jetzt ein Sklave meiner Liebe und frei von den Sorgen beider Welten.

Ein Liebender ist gefärbt in die Farbe von Gottes Liebe. Seine Rede ist die Rede des Herrn, und er ist befreit von all den sinnlichen Freuden.

Jammi Sahib sagt:

Nun, da du ein Sklave der Liebe geworden bist, solltest du deine Vorstellungen vom Ruhm und der Überlegenheit deiner Familie aufgeben, denn diese haben keinen Wert auf diesem Pfad.

Ein Liebender, welcher berauscht ist von der Liebe seines Geliebten, lebt nur in Gedanken an Ihn. Er hat keine Verbindung mit dem Guten oder dem Bösen dieser Welt.

Hafiz Sahib sagt:

Für einen Liebenden sind die Füße des Geliebten (Meisters) die Füße Gottes. Er betrachtet die Gärten des Himmels, die schönen Bäume dort und die Paläste mit den schönen Frauen im Himmel als nicht besser als ein Teil des Staubes auf Seinem Weg.

Die Macht der Liebe wird sehr stark anziehend in einem Liebenden. Sein einziger Wunsch ist es, den Geliebten zu treffen. Es wird gesagt, dass, selbst wenn das Heim des Geliebten in der Mitte des Ozeans wäre, oder wenn der Pfad zu ihm von Hunderten von Schlangen bevölkert wäre und sogar wilde Tiger und Löwen auf seinem Weg brüllen würden, und auch die Todesengel versuchen würden den Weg zu versperren, selbst dann würde ein Liebender nicht davon abgehalten werden, auf dem Pfad seines Geliebten zu gehen. Nichts kann ihn davon abhalten, zu seinem Geliebten zu gehen, denn seine Welt existiert nur für den Geliebten.

Hafiz Sahib sagt:

Nichts kann in mein Gemüt treten außer der Gedanke meines Geliebten. Gib beide Welten an meine Feinde, denn für mich ist mein Geliebter alles, was ich will.

Es gibt keinen Platz im Herzen eines Liebenden für etwas außer dem Geliebten, und er wünscht immer in ständigem Kontakt mit Ihm zu sein.

Kabir sagt:

Mein Geliebter ist in meinen Augen wie eine dünne Schicht von Kollyrium (Augensalbe). Wie kann es einen Platz zum Schlafen in meinen Augen geben, wenn Er alle vierundzwanzig Stunden da ist und es keine andere Arbeit gibt, als sich an Ihn zu erinnern? Die wahre und treue Ehefrau ist diejenige, die ihren Ehemann nicht einmal für einen Augenblick von ihren Augen fernhält und keinen anderen Menschen ansieht. Sie schließt ihre Augen und taucht tief in seine Erinnerung ein. Und im Gedenken an die Liebe blüht sie wie eine Rose und spricht nur von der Süße der Liebe.

Solche Ergebenen des Herrn sprechen immer mit Liebe und Hingabe von Ihm. Und wenn sie sprechen, ist ihre Kehle von Liebe zugeschnürt, ihre Haare stehen zu Berge durch die starke Strömung ihrer Liebe, und Perlen von Tränen fließen aus ihren Augen. Wenn der Geliebte an ihrer Seite ist, dann betteln sie um längere Nächte, um mit dem Geliebten länger zusammen zu sein. Solch ein Liebender fühlt, dass der Zustand intensiver Konzentration zu einem Ende kommen wird, wenn die Nacht früher enden sollte. Deshalb betet er, dass die Nächte lang sind und dass sie niemals enden sollten, damit er nicht von seinem Geliebten getrennt wird. Er wünscht weniger schlafen, damit er nicht von seinem Geliebten getrennt ist. Die Familie, in die solche Liebenden geboren werden, ist aller Lobeshymnen wert. Sobald sich das Gemüt eines Liebenden konzentriert, nimmt er die Eigenschaften Gottes auf und wird ein Meister vieler außergewöhnlicher Kräfte.

Das Gemüt eines Liebenden ist stark und tief wie das eines Ozeans. Es enthält keine Stürme anderer Gedanken. Er ist auf ein Ziel ausgerichtet und es gibt nur einen Gedanken - den des Geliebten. Wenn wir lieben, dann wird die Liebe der Erhalter unserer Seele, und unsere volle Aufmerksamkeit konzentriert sich auf den Geliebten. Dann werden alle oberflächlichen Bindungen unterbrochen und die Seele wird von den Fesseln dieser Welt befreit und fliegt in die Regionen darüber. Diese Höchste Region ist ihr Wahrer Aufenthaltsort.

Swami Ji sagt:

Deine Wohnung ist da, meine Liebe. Aber leider bist du an den Fäden dieser Welt festgebunden.

In ihrem wahren Wohnsitz genießt die Seele zu allen Zeiten die Glückseligkeit der Vereinigung. Die Liebe verwandelt es aus den materiellen und körperlichen Bindungen in die feineren, spirituellen Regionen, und der Tropfen der Seele verschmilzt im Ozean des Herrn. In solch einem Zustand ist ein Liebender kein gewöhnlicher Mensch. Er ist der Meister übernatürlicher Kräfte. Liebe ist in Wirklichkeit eine solche Alchemie, dass sie selbst gewöhnliche Menschen zu spirituellen Kaisern macht.

Kabir Sahib sagt:

Die Liebenden haben eine so große Macht, dass sie sogar einen Sprung in die Höchste Region machen können, indem sie einfach ihre eigene innere Kraft gebrauchen.

Die Aufmerksamkeit des Liebenden ist dann beständig im Geliebten fixiert, und sein Gemüt erleidet einen Zustand der Unruhe bei der Trennung.

Die einzigartige Eigenschaft der Liebe ist dies: Wenn ein Samen der Liebe in sein Feld gesät wird, folgt ihm Schmerz, Brennen, Trennung. Dies sind die Pflanzen, die wachsen. Der Liebende beklagt sich manchmal: Oh, warum habe ich jemals geliebt? Manchmal beschimpftt er seine Augen und tadelt sie jemals einen Blick auf den Geliebten geworfen zu haben, trotz der Tatsache, dass er heimlich einen Blick auf seinen Geliebten geworfen hatte. Er wird nicht mit irgendjemandem über dieses Thema reden, der nicht in der Lage ist, den Zustand seines Herzens zu verstehen, denn einer Person vom Schmerz des eigenen Herzens zu erzählen, die niemals solch einen Schmerz gefühlt hat, bedeutet sich mehr Schmerz aufzuladen. Er hält jedoch den Geliebten in seinen Augen, wohin auch immer sich seine Augen hinwenden. Er betrachtet seinen Geliebten sogar von größerer Bedeutung als sein eigenes Leben.

Khusro Sahib sagt:

Ich bin ein Ungläubiger geworden wegen der Liebe. Ich brauche diese oberflächliche Religion nicht. Jede Zelle meines Körpers ist mit den Strahlen der Liebe erfüllt worden. Ich brauche nicht einmal den heiligen Faden. Wir Liebenden haben keine Angst vor der Auflösung der Welt, denn unser Ziel ist es, weiterhin den Ruhm unseres Geliebten zu sehen.

Tulsi Sahib sagt:

Ein Liebender, selbst wenn er wach ist, schläft in der Welt. Ob im Schlaf oder im Wachzustand, die Aufmerksamkeit seiner Seele ist auf den Geliebten gerichtet, und diese Verbindung bricht nie. Seine Liebe ist wie die des Mondvogels für den Vollmond. Es schaut ihn solange an, wie er scheint. Es wird seinen Nacken nach hinten strecken, bis er fast den Boden berührt, wird aber seine Position von der Zeit an, da der Mond im Osten erscheint, nicht ändern, bis er im Westen versinkt.

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Fußnote: