Zuneigung – Liebe

Das Sanskritwort Bhav und das Punjabi-Wort Bhau bedeuten Vertrauen, Glaube, Liebe, Zuneigung, Respekt oder Verlangen. Sie meinen Liebe, die mit Respekt vermischt ist und voller Ehrfurcht ist. In der gewöhnlichen Liebe wird die Qualität der Achtung für den Geliebten manchmal übersehen; doch Gurus betonen nur jene Liebe, die voller Zuneigung und Respekt ist und welche die Erhabenheit des Geliebten anerkennt. Solche Hingabe ist wahr.

Guru Nanak Sahib sagt, dass ohne solch eine Zuneigung, Essen und Trinken nutzlos sind und das Leben unfruchtbar ist. Alle Wiederholungen, Entbehrungen, Fasten, Selbstdisziplin und Bäder in heiligen Wassern sind nutzlos, wenn sie ohne Zuneigung und Hingabe an den Herrn vollbracht werden.

Was ist der Nutzen der menschlichen Geburt, wenn es keine Hingabe oder Liebe für den Herrn gibt? Essen und das Tragen feiner Kleidung sind nutzlos, wenn das Gefühl des Andersseins im Gemüt ist.

Salok M1, 1411-7

Was ist der Nutzen von Wiederholungen, Entbehrungen, Selbstdisziplin oder Fasten, wenn man nicht weiß, wie man Liebe und Hingabe für den Herrn hat.

Kabir, Gauri, 337-13

Um Gott im Handeln zu erfahren, ist es notwendig, solche Zuneigung zu besitzen. Dieser Körper ist das Handlungsfeld, und der Gurumukh wühlt es auf, um die Wirklichkeit zu finden. Der Diamant von Naam glänzt darin, und die Wirklichkeit ist im Gefäß der Liebe.

Belawal M4, 834-15

Eine solche Zuneigung ist ein Aspekt des Herrn Selbst, und sie wird erfahren, wenn es Ihm gefällt. Alle Unwissenheit und Illusion verlassen dann den Ergebenen und er sieht den Herrn von Angesicht zu Angesicht. Eine solche hingebungsvolle Zuneigung kann nur vom Herrn Selbst kommen.

Du Selbst bist Hingabe und Liebe; Du vereinst uns mit Dir Selbst. O Nanak! Vergiss nicht Seinen Namen, wenn Du in Seinem Willen leben möchtest.

Sri Rag M1, 62-2

Wenn Er es will, liebt man Ihn; Zweifel und Aberglaube nehmen dann ihren Abschied.

Kabir, Sri Rag, 92-3

Hingabe und Liebe entspringen Dir; Du bist es, der den Gurmukh des Namens des Herrn gedenken lässt.

Ramkali M1, 906-5

Wenn wir in diesem groben Körper sind, werden wir eins mit ihm. Wir können den Herrn nicht sehen, Welcher äußerst fein und unerkennbar ist. Wie kann es Zuneigung für jemanden geben, den wir nicht gesehen haben? Er zeigt einen Blick auf Sich Selbst in der Person von Sants und Heiligen Menschen.

Mein Gemahl ist sehr weise und Er allein wird ein Heiliger genannt.

Kabir, Asa, 476-14

Er erscheint in Form von Sants.

Maru M5, 1005-8

Wenn man einen Meister findet und von Ihm angenommen wird, und wenn der Meister mit einem zufrieden ist, erhält man Blicke der Zuneigung.

Vom Meister erhält er die Nahrung der Liebe; er verliert seinen Geschmack an allem anderen, und die Liebe des Herrn wohnt in seinem Geist.

Majh M3, 115-14

Es ist die wirkliche Nahrung der Zuneigung, die vom Meister offenbart wird, und indem sie zu sich genommen wird, erscheint die Wahrheit.

Nanak kennt die Wahrheit, die die Wahrheit ist.

Sri Rag M1, 15

Diese hingebungsvolle Zuneigung kann nur durch einen Wahren Meister offenbart werden. Der Meister offenbarte die Wahre Nahrung der Liebe; durch die Liebe zum Herrn wird die Wahrheit verwirklicht.

Bajwar M1, 146-12

Manchmal wird ein Ergebener von der Liebe berauscht und beginnt vor Freude zu tanzen. Das ist keine Zuneigung. Zuneigung ist mit Ehrfurcht vermischt und diese Ehrfurcht kann nur durch Zuneigung für den Meister erzeugt werden. Nur jene, welche Ehrfurcht empfinden, können wahre Zuneigung haben.

Tanzen und Gesten sind das Spiel des Gemüts; o Nanak! nur jene, die Furcht haben, können lieben.

Asa Krieg M1, 465

Es wird gesagt, dass sich Majnun vor jedem Fußabdruck von Laila, seiner Geliebten verbeugte. O Sucher, dein Geliebter durchdringt jedes Teilchen des Landes und des Himmels.

Du solltest jeden Schritt mit Respekt tun und dich vor dem Geliebten verbeugen. Du solltest mit den Füßen der Ehrfurcht und mit Augen der Zuneigung wandeln und deine Aufmerksamkeit auf den Geliebten gerichtet halten, damit du mit Ihm verschmelzen kannst. (Siehe Kapitel über den Satguru.)

Wandle in Ehrfurcht mit (den) Augen der Liebe, halte deine Aufmerksamkeit fixiert; o Nanak, der Weise wird auf diese Weise den Herrn finden.

Magh War M2, 139

Auch Hafiz Sahib deutet dies an. Er sagt: Solange Spuren Deines Namens und Deiner Gesellschaft bei mir bleiben, wird mein Kopf auf Deinem Pfad gebeugt bleiben. Oh Meister, die Orte, die Deine Fußspuren aufweisen, werden zu Orten der Anbetung für die Erleuchteten. Solange noch irgendwelche Spuren von Wein oder der Weinhandlung vorhanden sind, wird mein Kopf gebeugt bleiben in Richtung der Fußspuren des Meisters. Der Boden der seine Fußspuren trägt, wird für Jahre ein Ort der Verehrung bleiben für die mit erleuchtetem Geist. Ehrfurcht wird nur durch die Begegnung mit einem Wahren Meister erweckt. (Siehe Kapitel über Ehrfurcht.)

Diese Ehrfurcht, geschaffen durch die außerordentliche Schönheit und den Magnetismus des Meisters, führt zu (den) Schmerzen der Liebe. Man empfindet ein besonderes Gefühl der Liebe und Verlassenheit. Wenn der Ergebene vor dem Meister steht, werden sowohl sein Herz als auch seine Seele von Ihm angezogen. In diesem Zustand, unter dem Einfluss von Ehrfurcht, füllen sich die Augen mit Tränen, aber der Ergebene kann nicht über die Grenze des Anstands hinausgehen. Er kann nicht still bleiben, und doch kann er nicht sprechen. Ihm wird die Zunge gebunden. Dieser Zustand lässt sich nicht beschreiben. Ein Liebender mag sich im Zimmer des Geliebten aufhalten, aber er kann keine Silbe von sich geben.

Liebende werden vom Geliebten gelöscht; kein Ton kann von den Toten kommen.

Sri Rag M3, 788

Man kann einen solchen Zustand der Zuneigung nur erreichen, indem man Ehrfurcht vor dem Meister hat. Derjenige ist selten, welcher die Liebe in Ehrfurcht findet und den göttlichen Rausch genießt.

Kabir, Kedara, 1123-27

Wenn ein Ergebener diesen Zustand der Zuneigung erlangt, wird die Angst vor Tod und Wiedergeburt zerstreut und durch ihn erhält seine ganze Familie Erlösung. Furcht und Unwissenheit werden zerstört und man wird furchtlos. Der Ergebene genießt ein wahrhaft Heiliges Bad und gewinnt das Ewige Leben. Durch seine Zuneigung für den Meister erkennt er den Namen als eine Realität. Die ganze Welt steigt höher auf wegen seiner Zuneigung.

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Fußnote: