Ehrfurcht (Bhae) und Zuneigung (Bhav)

Was im Sanskrit Bhae und Bhay genannt wird, wird im Punjabi als Bhae und Bhav beschrieben. Diese verleihen große Vorteile. Indem man sie als Verschönerung besitzt, ist man in der Lage, in sein ursprüngliches Zuhause zurückzukehren. Die Gurus weisen an, dass diese erworben werden sollten.

O Yogi, Ehrfurcht und Liebe sind wie zwei Sphären, die an den Stab des Körpers gebunden sind; wenn du vom Meister geliebt wirst, wird die Musik angeschlagen und auf diese Weise werden die Begierden zerstört.

Ramkali M3, 608

Die Seele, die Ehrfurcht und Zuneigung zu ihrer Verschönerung hat, genießt immer das Glück ihres Herrn. Wie werden diese Zierden erworben? Die Seele benutzt das Collyrium (die Augensalbe) der Ehrfurcht und trägt es in auf Augen der Zuneigung auf, zeigt Liebe für ihren Geliebten und wird die stets glückliche Frau ihres Herrn.

O Nanak, jene, die sich mit Ehrfurcht und Zuneigung schmückt, schmückt das Bett ihres Herrn zu jeder Zeit.

Asa M1, 357-8

Mit dem Collyrium der Ehrfurcht schmückt sie die Augen der Liebe; sie ist in der Tat die immer glückliche Ehefrau, die ihren Ehemann liebt.

Tellang M1, 722

Wenn die Seele, sich mit Ehrfurcht schmückend, den Saft der Betelblätter der Zuneigung schmeckt und Körper und Geist ihrem Herrn übergibt, wird sie von Ihm nicht (mehr) zu unterscheiden sein.

Wenn die Seele, mit Ehrfurcht geschmückt, den Saft der Betelblätter der Zuneigung schmeckt und Körper und Geist dem Herrn übergibt, dann ist sie in fortwährendem Glück o Nanak.

Suhi War M3, 788-10

Kabir Sahib sagt, wenn man nur ein wenig von dieser liebevollen Hingabe hat, ist es kein Wunder, dass man den Herrn trifft. So wie Wasser sich mit Wasser vermischt und nicht getrennt werden kann, so wird auch die Seele, die mit Ehrfurcht und Zuneigung geschmückt ist, vom Magneten des Herrn angezogen und verschmilzt mit Ihm.

Für einen Menschen, der mit der Praxis der Liebe und Hingabe vertraut ist, ist es kein Wunder, dass, so wie sich Wasser mit Wasser vermischt und nicht trennt, der Weber (Kabir) sich mit dem Herrn vereinigt.

Kabir, Dhanasri, 692

Es wird wirklich gesagt, dass der Tropfen, indem er sich mit dem Ozean vermischt, zum Ozean wird.

Was für ein wunderschönes Bild von Ehrfurcht und Zuneigung ist im Jap Ji (Gebete im heiligen Buch der Sikhs, dem Granth Sahib) gezeichnet worden.

Guru Nanak Sahib verwendet die Illustration einer Goldschmiedewerkstatt. Er sagt, dass der Ergebene in der Werkstatt der Reinheit von Körper und Gemüt geduldig den Amboss der Weisheit mit dem Hammer der Erkenntnis schlagen sollte. Er sollte das Feuer der Praxis der Entbehrung mit dem Blasebalg der Ehrfurcht entfachen. Er sollte dann im Schmelztiegel der Zuneigung Nektar herstellen und ihn durch ständiges Erinnern an die Wirklichkeit des Herrn destillieren. Das ist die wirkliche Fabrik, in welcher der Shabd erzeugt wird.

Dort hämmert der Goldschmied geduldig den Amboss der Weisheit mit dem Hammer der Erkenntnis, entfacht das Feuer der Entbehrung mit Ehrfurcht und formt die Wirklichkeit im Gefäß der Liebe.

Jap Ji, 8-7

Guru Nanak Sahib verdeutlicht zudem die Notwendigkeit der Liebe mit einer weiteren Metapher. Wenn die Zeit der endgültigen Vereinigung kommt, sollte der Ackerbauer das Land mit dem Pflug der Demut kultivieren und die Zufriedenheit als Ochsen verwenden. Mit anderen Worten, er sollte sich der Praxis widmen und den Boden der Liebe mit dem Wasser der Reinheit bewässern. Die Ernte der Spiritualität wird dann sprießen.

Lass die Liebe das Land sein, (die) Reinheit das Wasser, Wahrheit und Zufriedenheit die Ochsen, (die) Demut den Pflug, das Gemüt den Ackerbauern, das Gedenken an den Herrn den Ackerboden und die Ernte die Vereinigung mit dem Herrn.

Ramkali M1, 955-4

Ehrfurcht und Liebe werden von den Gurus sowohl gemeinsam als auch getrennt erwähnt. Man denkt immer an (den) und erinnert sich an den, den man liebt. Wenn jemand ein schönes und göttliches Wesen liebt, zieht ihn die Erinnerung an dieses Wesen immer an und bleibt in seinem inneren Gemüt gegenwärtig. Eine solche Liebe, die von Ehrfurcht gefärbt ist, wird zu wahrer Zuneigung. Wenn es solche Liebe gibt, wächst die Zuneigung.

O Nanak! Wenn es Liebe gibt, gibt es Zuneigung.

Asa War M5, 463-14

Guru Amar Das Sahib sagt, dass es keine Hingabe ohne Ehrfurcht geben kann. Ohne Ehrfurcht kann es keine Hingabe geben, und es kann keine Liebe für den Namen geben.

Suhi War M3, 788

Ohne Ehrfurcht erhält niemand Liebe, und ohne Liebe erlangt niemand Erlösung.

Tukhari M4, 1116-1

Ehrfurcht und Liebe gehören zusammen. Gleichwie wie der Himmel über der Erde ist und der Tag der Nacht folgt, ebenso entsteht aus der Ehrfurcht vor dem Meister eine Furcht, die von Ehrfurcht und Zuneigung erfüllt ist. Der Meister ist eine Verkörperung des Herrn; darum sind Ehrfurcht und Zuneigung für Ihn Ehrfurcht und Zuneigung für den Herrn. Wir sollten unsere Hingabe durch diese Eigenschaften stärken.

Er verwandelte Erde und Himmel in Seine Wohnstätte und verbrachte Seine Tage und Nächte in (Ehr)furcht und Liebe.

Belawal M1, 839-4

Denke immer mit Liebe und Zuneigung an den Meister und stärke deine Hingabe mit Ehrfurcht.

Majh M3, 112-16

Es sollte Ehrfurcht und Zuneigung für niemand anderen geben. Der Vorrat an Hingabe des Herrn ist grenzenlos und unerschöpflich, und allein durch Seine Gnade kann man Ehrfurcht und Zuneigung empfinden. Nur der Mensch, zu dem der Herr gütig ist, kann in dieser Farbe gefärbt werden.

O Nanak, nur der allein hat Ehrfurcht, Liebe und Zuneigung, mit dem Du Erbarmen hast. Dein Vorrat an Hingabe ist unerschöpflich. Derjenige, den Du liebst, empfängt sie.

Tukhari M4, 111

Er selbst färbt den Ergebenen in seiner eigenen Farbe. Durch den Shabd des Meisters wird man in der Farbe des Herrn gefärbt. Der Geist und der Körper werden gefärbt, ebenso wie ein Kleidungsstück. Ehrfurcht hilft beim Färbeprozess.

Majh M1, 114-5

Aber der, welcher eine widernatürliche Vision hat, kann keine Ehrfurcht und Zuneigung haben. Wenn die Vision pervers ist, gibt es keine Ehrfurcht und Liebe; wenn du das Ego löschst, kannst du den Namen verwirklichen.

Gauri M1, 153

Alle Wünsche des Gemütes werden durch Ehrfurcht und Zuneigung erfüllt. Der Mensch ist in einer wunderschönen Farbe gefärbt, und die falsche Farbe der Welt kann ihn nicht beeinflussen. Die Melodie des Shabd oder Naam wird vernommen und er erlangt (die) Erlösung. Ohne Ehrfurcht und Zuneigung bleiben Tod und Wiedergeburt bestehen.

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Fußnote: