Ist es notwendig, zum Herrn zu beten?

Der Herr ist nicht erfreut über jemandes Worte des Lobpreises. Sie ändern nichts an dem Strom der Barmherzigkeit und Gnade, welcher über uns ausgegossen wird, denn Er ist die Verkörperung der Erkenntnis, (der) Liebe und (der) Barmherzigkeit. Natürlich können wir, wenn wir in Demut und Glauben beten, diesen Strom der Barmherzigkeit besser nutzen. Aber Er braucht keine lautstarken Gebete, denn Er kennt unsere verborgenen Gefühle.

Gebete können keine Veränderung am Strom der Barmherzigkeit bewirken. Er ist, was Er ist. Aber Gebete können uns in Harmonie mit diesem Strom bringen. Es ist nicht notwendig, für unsere Bedürfnisse zu betteln. Dies wird oft zu einem Hindernis.

Der Herr ist Liebe. Ist es für uns angemessen, Ihn zu bitten, liebevoller zu sein? Er weiß alles. Können wir Ihm irgendetwas sagen, was Er nicht schon weiß? Können wir Seine Vollkommenheit ändern? Ist es notwendig, zu Ihm um mehr Barmherzigkeit zu beten, wenn Er uns bereits mehr gibt, als wir verdienen? Indem wir unsere Gefühle nicht äußern, kommen wir Seiner Gegenwart und Gnade näher.

Er ist ewig. Er ist Derselbe, am Anfang, in der Gegenwart und am Ende. Wahr vom Anfang an, wahr durch alle Zeitalter hindurch; Er ist wahr und wird wahr sein.

Jap Ji Ji, Stanza 1

Der Herr ist die Verkörperung der Wahrheit. Die Wahrheit strömt beständig von Ihm aus, ohne dass Er daran erinnert wird. Wie kann der Mensch mit seinem begrenzten Intellekt Ihm Rat geben? Der Strom Seiner Barmherzigkeit fließt überall. Er kümmert sich von selbst um uns. Er weiß, was zu unserem Wohl ist. Er ist überall gegenwärtig. Er nimmt unsere Gefühle wahr und hört uns. Wo ist dann die Notwendigkeit, vor Ihm zu beten?

Wohin ich auch schaue, ich sehe Dich dort wohnen; zu wem soll ich beten? Der Herr hört alles.

Gauri M5, 205

Es ist unsere Pflicht, in Harmonie mit Ihm zu sein und so den größtmöglichen Nutzen (daraus) zu ziehen. Es ist sehr notwendig, dass wir in unserem Herzen über Ihn meditieren sollten, damit Sein Spiegelbild in uns erstrahlen kann. Die Seele ist ein Teil und ein Abbild von Ihm und teilt Seine wunderbaren Eigenschaften. Zu lernen, den Herrn zu verstehen, ist ein ständiger Prozess, und um darin erfolgreich zu sein, sollten wir all unsere Gedanken, Kräfte und Wünsche zu Seinen Füßen niederlegen. Es ist seltsam, dass wir, während wir sagen, dass der Herr überall gegenwärtig und ewig ist, versuchen, Ihm von uns selbst zu erzählen. Sind wir dem Herrn dankbar für all die Gaben und Barmherzigkeiten, die uns gezeigt werden? Wenn wir aufrichtig dankbar sind, verdienen wir mehr Gnade, auch ohne darum zu bitten.

Guru Arjan Sahib spricht im fünften Canto (sechstes Ashtpadi) des Sukhmani Sahib von den vielen Gaben und Segnungen, die wir genießen, und sagt uns, wie wir unsere Dankbarkeit dafür ausdrücken können. Er sagt, dass es durch Seine Güte ist, dass wir viele Arten (sechsunddreißig Arten) von Nahrung genießen, viele Arten von Süßigkeiten haben, in Palästen leben, in komfortablen Häusern wohnen, gute Kleidung und feinen Schmuck tragen, in bequemen Betten schlafen, öffentliche Ehrungen erhalten, gesunde Körper haben, alle unsere Fehler verborgen bleiben, und wir reiten auf Elefanten und fahren in Kutschen, besitzen Gärten, Häuser, Ländereien und Wohlstand.

Der Herr hat unsere Wünsche erfüllt. Wir sind geachtet in dieser Welt und im Jenseits. Wir sind schön und hören den Shabd mit unserem Inneren Ohr. Wir haben Einfluss. Alle unsere Werke sind erfolgreich, und wir werden zur Zeit des Todes geehrt. Für all diese und andere Segnungen sollten wir unsere Dankbarkeit ausdrücken; wir sollten uns daran erinnern, dass sie von Ihm kommen und sollten über Ihn meditieren. Wir sollten über Ihn kontemplieren und zu Ihm beten. Wir sollten uns immer an Ihn erinnern. Wir sollten Ihn immer preisen und unsere Aufmerksamkeit auf Ihn richten. Wir sollten nicht nachlässig sein in der Erinnerung an Ihn und (sollten) Ihn niemals vergessen. Er sollte immer in unseren Herzen wohnen. Wo sonst könnten wir Zuflucht finden, wenn wir einen so freigiebigen Herrn aufgeben sollten? Wir sollten den Herrn im Gedächtnis behalten, durch Dessen Gnade wir so viele köstliche Arten von Nahrung zu uns nehmen. Indem wir uns an Ihn erinnern, durch Dessen Gnade wir den Körper mit süß duftenden Düften parfümieren, werden wir Erlösung erlangen.

Kontempliere mit deinem Gemüt über Ihn, durch Dessen Gnade du in komfortablen Häusern wohnst. Erinnere dich all die vierundzwanzig Stunden an Ihn, durch Dessen Gnade du in Deinem Heim in guten Verhältnissen leben kannst.

O Nanak! Denke immer an Ihn, Welcher deiner Betrachtung würdig ist, durch Dessen Gnade du so viele Freuden genießt. Wen könntest du sonst lieben, wenn du Ihn aufgibst, durch Dessen Gnade du vornehme Kleider und schöne Ornamente hast?

Preise stets Ihn, durch Dessen Gnade du in bequemen Betten schläfst. Kontempliere mit deinem Geist über Ihn, durch Dessen Gnade du auf dem Pfad der Pflicht gehalten wirst. Indem du dich an den Herrn erinnerst, wirst du geehrt werden und deinen Herrn zu Seinem Heim begleiten, o Nanak.

Liebe den Herrn, durch Dessen Gnade du diesen gesunden Körper hast.

Lobe den Herrn, durch Dessen Gnade deine Geheimnisse verborgen bleiben und dein Gemüt zur Ruhe kommt. Knie nieder vor dem Herrn und Meister, durch Dessen Gnade all deine Fehler verborgen bleiben.

Auch wenn du Seine Gnade nicht empfängst, erinnere dich mit jedem Atemzug an den Herrn in der Höhe.

O Nanak, sei ein Ergebener Dessen, durch Dessen Gnade dir dieser seltene menschliche Körper gegeben wurde. O Gemüt, sei nicht nachlässig in der Erinnerung an den Herrn, durch Dessen Gnade du feine Ornamente trägst.

O Gemüt, vergiss nicht den Herrn, durch Dessen Gnade du auf Pferden und Elefanten reitest. Behalte den Herrn im Gedächtnis, durch dessen Gnade du Ländereien und Gärten besitzt.

Erinnere dich immer, im Stehen oder Sitzen, an den Herrn, Welcher deinen Geist geformt hat. Meditiere über den Einen Unsichtbaren, o Nanak, Der für dich sorgen wird, sowohl hier als auch im Jenseits.

O Gemüt, denke immer an Ihn, durch Dessen Gnade du großzügig Almosen und Spenden gibst. Erinnere dich mit jedem Atemzug an den Herrn, durch Dessen Gnade du auf richtiges Verhalten achtest. Denke immer an den Herrn der wunderbaren Form, durch Dessen Gnade du ebenfalls eine schöne Form hast. Denke Tag und Nacht an den Herrn, Welcher dir diesen edlen Leib gegeben hat.

Lobe den Meister, o Nanak, durch Dessen Gnade deine Ehre aufrechterhalten wird, durch Dessen Gnade die Ohren die Musik des Namens (den Tonstrom) hören.

Die Augen sehen die Wunder der Welt, die Zunge wird süß, man lebt glücklich, die Hände bewegen sich und arbeiten, die vollen Früchte der Tat werden erlangt, der Zustand der Glückseligkeit wird genossen und man verschmilzt in allumfassendem Frieden. Wie kann ein solcher Herr aufgegeben und ein anderer geliebt werden? Die Liebe zu Ihm erwacht mit der Gnade des Meisters. Vergiss nicht den Herrn, durch Dessen Gnade du in diese Welt gekommen bist.

O törichtes Gemüt, erinnere dich an den Herrn, durch Dessen Gnade du groß geworden bist. O Gemüt, lebe in der Gegenwart Dessen, durch Dessen Gnade du die Wahrheit gefunden hast.

O Nanak, erinnere dich an Ihn, durch Dessen Gnade alle die Erlösung erlangen. Er selbst bringt einen dazu, sich an den Namen zu erinnern, der Herr selbst bringt einen dazu, Sein Loblied zu singen.

Durch Seine Güte bekommst du Licht; durch Seine Barmherzigkeit öffnet sich der Lotos; wenn Er zufrieden ist, wohnt Er im Herzen. Durch Seine Barmherzigkeit wird der Intellekt rein.

O Herr, Deine Barmherzigkeit ist überragend; man kann nichts aus eigener Kraft allein erreichen. O Herr, Dein Ergebener dient, wo immer Du es wünschst; o Nanak, man hat in dieser Sache keine Wahl.

Gauri M5
Suchmani 269

Man sollte den Geber der Segnungen nicht vergessen, wenn man Segnungen empfängt. Diejenigen, die Ihn vergessen, erinnern sich nicht an den Tod.

Das Geschenk ist ein Segen; der Geber ist vergessen; der Narr denkt nicht an den Tod.

Dhanasri M5, 676

Wenn wir beim Empfang Seiner Gaben keine aufrichtige Dankbarkeit zeigen, sondern lediglich verbalen Dank ausdrücken, täuschen wir uns selbst und den Herrn. Wir können die Leere unserer Dankbarkeit nicht vor dem Herrn und der Welt verbergen. Man macht sich durch ein solches Verhalten strafbar.

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Fußnote: